Literaturepochen im Überblick


Literatur hat seit Jahrhunderten einen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft und ist kaum wegzudenken. Von Epoche zu Epoche unterscheiden sich Themenschwerpunkte, Erzähltechniken und Motive in der Literatur, welche durchweg einen enormen Einfluss auf ihre Leser auswirkt.


Im Folgenden alle wichtigen Literaturepochen im Überblick:

Barock
Der Barock ist eine Epoche voller Widersprüche. Menschen waren hin- und hergerissen zwischen dem bürgerlichen Standesbewusstsein und der höfischen Kultur, was sich auch deutlich in der Literatur zeigte. Zum einen lebte und schrieb man nach dem Motto “Carpe Diem”, auf der anderen Seite stand das “Memento Mori” (“Bedenke, dass du stirbst”).

Aufklärung
Zunächst ging es den Schreibern in dieser Epoche darum, über den Alltag am Hof aufzuklären und den Bürgern einen Einblick in das adelige Leben zu verschaffen. Schnell wendete sich das Blatt jedoch und man setzte den Schwerpunkt auf das bürgerliche Leben, indem man kaum etwas über den Hof berichtete, sondern vielmehr den unteren Schichten Mut zusprach und ihnen zeigte, wie schön ein Leben außerhalb des Adels sein kann. Typische Gattungen für diesen Zeitraum (1720 bis 1785) waren Fabeln, Lehrgedichte und Dramen, die sich sehr an die Natur hielten und die Umwelt durchaus kritisch beleuchteten. Berühmter Vertreter der Aufklärung war Lessing.

Sturm und Drang
Diese Literaturepoche wird auch als “Geniezeit” bezeichnet, denn Werke handeln meist von Individuen, die sich selbst verwirklichen und so zu Originalen werden. Hier werden Vernunft und Regeln völlig außer Acht gelassen, Emotionen und Gefühle gewinnen die Oberhand. Diese Epoche ist geprägt von sehr jungen männlichen Dichtern. Die wohl berühmtesten Werke sind “Die Leiden des jungen Werther” von Goethe und Friedrich Schillers “Die Räuber”.

Klassik
Obwohl Schiller und Goethe sich bereits im Sturm und Drang einen Namen gemacht haben, sind sie vorrangig Vertreter der Klassik. Mit der französischen Revolution stand das Streben nach Freiheit an oberster Stelle. Der ideale Bürger war meist Hauptfigur in den Werken, die Verfremdung des Menschen sollte vermieden werden. Deutlich wird dies in Goethes “Faust”, ein weltberühmtes Werk, welches zeigt, wie der Einfluss des Bösen einen Menschen verändert und verfremdet. Auch “Wilhelm Tell” kann im gleichen Atemzug genannt werden.

Romantik
Meistens wurden in dieser Epoche Volksdichtungen oder Märchen verfasst, die sich stark an das Mittelalter orientieren und tief in die Seele und Gefühlswelt des Lesers eindrangen. Dichter lehnten sich gegen den Rationalismus der Aufklärung auf und bezogen sich hauptsächlich auf Religiöses und Unendliches. Häufig wurden Metaphern eingesetzt.

Biedermeier
In der Zeit zwischen 1815 und 1848 wurden viele literarische Werke strengstens zensiert. Autoren mussten sich beim Verfassen ihrer Stücke gewissen Regeln unterwerfen und dürften nicht einfach drauf los schreiben. Daher handeln viele Werke auch von häuslicher Gemütlichkeit und nur einer oder zwei Personen. Ein Auflehnen gegen Politik oder Kritik an höheren Gesellschaftsschichten war verboten und wurde bestraft. Eduard Mörike war ein bedeutender Vertreter des Biedermeier.

Realismus
In dieser Epoche stand das Verhältnis von Literatur und der Wirklichkeit sehr weit oben. Alles wurde mit viel Liebe zum Detail beschrieben und Dichter neigten zu viel Ironie und Humor. Menschen konnten während des Lesens regelrecht in die Welt des Dichters eintauchen und alles hervorragend nachempfinden. Zu nennen sind hier Theodor Fontane und Theodor Storm.

Naturalismus
Wichtiger Vertreter dieser Epoche war Gerhard Hauptmann, der die Natur bis ins kleinste Detail beschrieben hat und vor allem viel mit der Sprache spielte. Auch andere Dichter verwendeten nun mehr die Umgangssprache in ihren Werken, um den Leser so intensiver in die Welt der Charaktere eintauchen zu lassen. Alles wurde wissenschaftlich exakt dargestellt, selbst wenn es sich um etwas handelte, was nicht unbedingt als ästhetisch galt. Soziale Themen wurden in dieser Zeit (1880 bis 1900) häufig angesprochen.

Expressionismus
In dieser Zeit wurden hauptsächlich gesellschaftsrelevante Themen angeschnitten. Man setzte nicht viel auf grammatikalische Richtigkeit und lehnte alles Logische und Erklärbare ab. Dichter brachten das zu Papier, was und wie sie gerade dachten, selbst wenn es oftmals als “Schund” bezeichnet wurde.

Sachlichkeit
Meistens handelten Werke in dieser Zeit vom Erleben und Denken im ersten Weltkrieg. Die Sprache war keineswegs mehr schluderig, sondern vielmehr realitätsbezogen und verständlich. Thomas Mann (“Der Zauberberg”) und Bertold Brecht waren Autoren dieser Literaturepoche und gingen an ihre Werke mit einem gewissen Maß an Ernüchterung heran.

Trümmerliteratur
Wie der Name schon vermuten lässt, wurden zu dieser Zeit viele Schicksale des zweiten Weltkrieges in den Werken angeschnitten. Sie handelten hauptsächlich von der Rückkehr oder dem Tod von Soldaten, von den Qualen des Holocaust und Auswirkungen des Krieges auf einzelne Personen. Dabei nahmen Autoren keine Wertung vor, sondern beschrieben lediglich detailliert über Gefühle und Haltungen der Charaktere. Heinrich Böll und Wolfgang Borchert können hier genannt werden.

Moderne
Der Begriff der Moderne ist schwer auszumachen. Er beschreibt eigentlich viele Literaturepochen und umschließt den Zeitraum vom Naturalismus bis zur Trümmerliteratur. Als Leser sollte man sich vor Augen halten, wie experimentierfreudig Autoren von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mit neuen Techniken umgegangen sind, wie wichtig Variationen der Sprache waren und welche Möglichkeiten und Grenzen man als Dichter hatte.


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